Ötscher

Lackenhof-Weitental, Mostviertel, Niederösterreich

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Der erste Blick zum Ötscher. 

Wir kommen gerade in Lackenhof, Ortsteil Weitental an. Pfingsten 2022, endlich wieder mal raus, und unser Quartier in der neuen Ötscher Lodge ist zum Greifen nah. Doch zuvor einmal den Blick zum Ötscher genießen. Der "Vater der Berge", präsentiert sich in seiner vollen Schönheit. Und ich weiß schon jetzt, wir werden ihn nur von unten sehen. Denn in den Sessellift steigen wir zwei Angsthasen nicht ein. Und eine Wanderung mit knapp 600 Höhenmetern auf relativ kurzer Strecke bedeutet einen Anstieg, der nicht zu unserer Kondition passt.

Nach einem gemütlichen Frühstück auf unserer riesigen Lodge-Terrasse starten wir beschwingt in den Samstagvormittag. Unser Ziel, einer der 3 >>tut gut<< Wanderwege. Ehe wir den Einstieg zur Route 3 erreichen weckt ein Wanderschild mit "Ötscherschutzhaus 1 ½ Stunden" unser Interesse. Und gerade ICH komme auf die Idee: "Dann schauen wir mal, wie weit wir kommen!"

Anfangs geht der Weg über eine Straße, biegt dann bald in den Wald ab. Noch geht der Weg, noch reicht unsere Kondition. Wir verlassen den steinigen Waldweg und kommen auf eine freie Wiesenfläche, die im Winter Skipiste ist. Es wird schon steiler. Doch noch geht es. Unter uns liegt bereits der Ortsteil Weitental und unsere Lodge.

Wir überqueren eine Forststraße. Kurz diskutieren wir, ob diese auch zum Schutzhaus führt, jedoch zeigen die Wanderschilder eine andere Strecke an. Also weiter. Es wird noch steiler. Uns überholen quietschvergnügte Wanderer, halten kurz an und beschließen die Waldstrecke zu wählen. Wir rufen ihnen nach, ob diese Route auch für uns besser ist. Es wird bejaht, denn der andere Weg geht Direttissima über die Skipiste zum Riffelsattel. Kurz hören wir noch den gut gemeinten Zuruf, dass der Wald gatschig ist. Und schon stehen wir mitten drinnen. Auf allen Vieren klettern wir über Wurzeln und Steine, bis ich die Nerven komplett schmeiße. Nein, hier setze ich keinen Schritt weiter gegen Ziel. Aber zurück komme ich auch nicht, wenn ich so runterschaue. Als Großstadtwanderer stößt man hin und wieder an seine Grenzen. Auch meinem Chef geht es nicht gut. Also vorsichtig Rückzug, obwohl wir nicht mal 50 Schritte nach oben gekommen sind. Auf allen Vieren geht es bergab. Unsere Finger bohren sich in den Quatsch. Und schon ziehen wir uns zurück. Aus der Traum von der Ötscherbezwingung.

Zurück bei der Forststraße beschließt mein Chef dieser zu folgen. Zuvor fragen wir noch, zwei flott an uns vorbeimarschierende Wanderer, ob wir so unser Ziel erreichen. Sie zucken die Schulter, keine Ahnung, sie gehen immer über die Skipisten. Na fein, über diese Pisten möchte ich nicht mal im Winter bergab wedeln.

Die Straße führt stetig, wenn auch nicht gar so steil wie die Skipiste, bergauf. Sie ist im Winter die Riffelabfahrt. Irgendwann klettern wir schon wieder fast senkrecht über ein Stück Skipiste. Gefühlt tausend Mal bleiben wir stehen. Doch der Blick zurück wird immer spektakulärer, beeindruckender und atemberaubender. Zwei Großstadtwanderer auf dem Weg zum Gipfel. Also Gipfel nicht direkt, sondern wenigstens zum Ötscherschutzhaus. Dieses zu erreichen, ist derzeit unser einziger Traum.

Bei jeder Steigung wünsche ich mir nur noch danach eine ebene Strecke. Doch immer folgt danach die nächste Steigung.

Wir treffen zwei Wanderer, achja, sie kommen gerade vom Schutzhaus, 15 min. bergab, bald seien wir da, ermutigen sie uns. Sie zeigen uns das Hochkar und das Gipfelkreuz am kleinen Ötscher, deren heutiges Ziel. In ca. 45 Minuten sind sie dort - genau dort am Kreuz, das ich nicht mal mit freiem Auge richtig wahrnehme. Mensch, die haben aber eine Kondition.

Wir schnaufen weiter. Noch immer kein Ende in Sicht. Ein junger Wanderer bleibt stehen. Wir kommen ins Gespräch. "Oh, den Ötscher wollt ihr als Großstadtwanderer bezwingen? Also da hätte ich mir was Einfacheres ausgesucht, der Ötscher ist eine riesige Herausforderung", gibt er uns mit auf dem Weg. Fein, das haben wir Flachlandindianer ja gut gemacht.

Endlich blinzelt das Ötscherschutzhaus durch die Bäume durch. Ich sehe schon mein Gipfelgetränk! "Ziel erreicht" würde nun jedes Navi schreien. Noch ein kleines Stück und ich plumpse wie ein Zementsack auf die Holzbank. Wir sind da! Wir sind oben! Zwar nicht am Gipfelkreuz, denn das würde nun noch mal 400 Höhenmeter bei angeblichen 1 ½ Stunden bedeuten. Aber wir sind immerhin auf 1.418 m Seehöhe. Der Blick auf die Uhr zeigt uns stolze 3 Stunden. Egal, wir haben es geschafft. Nun eine längere Pause, eine genüssliche Stärkung und dann sind wir mutig, wir gehen den Weg wieder zurück. Denn in den Sessellift steige ich noch immer nicht.

Nach 2 ½ Stunden sind wir bei der Talstation angekommen. Hundsmüde aber glücklich und unendlich stolz. Wir haben den Ötscher bezwungen! Wir haben es geschafft. Die Natur hat uns ihre schönsten Schätze gezeigt und uns liebevoll willkommen geheißen. Ein Traum wurde wahr. 

Jedoch auch eine Warnung an alle, die, wie wir Großstadtwanderer sind: Hinterfrage geplante Wanderungen, durchforste Wanderberichte, lese Höhenprofile und vorallem, wisse, was du dir zutrauen kannst. Leider versprechen Wandertaferl oft das "Blaue vom Himmel", jedoch ist jede Strecke nicht für jede Kondition geeignet.

Geschafft sitzen wir abends auf unserer riesigen Terrasse und betrachten ehrfurchtsvoll die Naturgewalten, die uns eindrucksvoll ihre Stärke präsentieren. Noch ein letztes Mal für heute präsentiert sich der "Vater der Berge" in den letzten Sonnenstrahlen.

Strecke lt. Angabe: Einfach den Schildern "Ötscherschutzhaus" folgen, oder wie wir beim ersten Queren der Forststraße folgen

Höhenmeter: 608

Start und Ziel: Talstation des Sessellifts - Parkplätze vorhanden. Linienbushaltestelle vorhanden - der kommt aus Lunz am See

Unsere Dauer inkl. Fotos, gefühlt 1.000 mal stehen bleiben und Luft schnappen: 3 Stunden (1 ½ sind angeschrieben)

Unsere Wandertipps: Großstadtwanderer

Zusätzliche Hinweise aus unserer Sicht: trittsicher, feste Schuhe, Getränke mitnehmen, für nicht so geübte Großstadtwanderer wie uns eine große Herausforderung, auf alle Fälle Wetter beobachten

Wien, 04.06.2022

Transparenz

Fotos von Fotografin Renate, www.fotografinrenate.at. Text bei Renate Stigler. Keine bezahlte Werbeeinschaltung. Bei diesem Text handelt es sich um persönliche Erfahrungen, die eine werbende Wirkung haben könnten! Weiters ist es eine Momentaufnahme am Tage unseres Besuches. Wir weisen darauf hin, dass wir keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit dieser Informationen sowie für gegebenenfalls daraus resultierenden Schaden übernehmen.

Achso, wenn du Rechtschreibfehler findest, dann kannst du es mir gerne sagen oder dir behalten. Ich mache mir dann einfach wieder welche.