Knödelwanderung

Weißenkirchen in der Wachau, Waldviertel, Niederösterreich

Wir sind wieder in Weißenkirchen in der Wachau und stehen mutterseelenallein am Marktplatz unterhalb der dominanten Wehrkirche.

Zwar regnet es hier, im Gegenteil zu Wien nur leicht, dennoch dürften nicht allzu viele Wanderer unterwegs sein. Mir tun der Veranstalter und alle beteiligten Personen leid. Viel Aufwand und dann kann sich der Wettergott nicht mit den Tränen zurückhalten.

Der Weg verläuft vorerst durch den entzückenden Winzerort. Wandelt auf mehr als zweitausendjähriger Geschichte. Umrandet von den Ausläufern des Waldviertler Hochplateaus und dem Dunkelsteinerwald. Still grüßen die Rebstöcke im leichten Nebel von den Hängen. Und schon erreichen wir die erste Labestelle, wo es gleich den süffigen Wein aus dem Zentrum des Wachauer Weinbaus zu kosten gibt. Wir bevorzugen aber den Wanderstart mit einem Schluck Marillenschnaps, der für uns zur Wachau gehört, wie unsere Wanderschuhe zu unseren Füßen.

Ok, war jetzt nicht der beste Vergleich, aber mir wird ohnehin schon bald das Lachen vergehen. Der Weg verlässt die asphaltierte Straße und biegt in den Wald. Von nun an geht es bergauf. Immerhin müssen wir um die 430 Höhenmeter erklimmen. Der Regen wäscht mir den Kopf und von meinen wirren Strähnen laufen ständig Regentropfen über mein Gesicht.

Die Luft ist frisch. Der Wald ist ruhig. Der Regen bemüht sich leise über das Blätterdach auf die Wanderer zu tropfen. Noch ist der Weg recht ok, außer, dass wir uns beharrlich nach oben bewegen und ich die letzten Vanillekipferl doch nicht essen hätte sollen. Schon bei unserer Neujahrswanderung fluchte ich über die Kilos auf meinen Hüften, doch heute ist es, dank des Regens und der fast doppelten Weglänge noch mehr Flucherei. Ab sofort werde ich eine Diät anfangen. Ganz sicher.

Bei der zweiten Labestelle bin ich nur noch 2/3 sicher, denn es gibt heißen Glühmost. Kein Kalorienverächter… Aber den habe ich mir verdient. Nach der Labestelle beginnt der, für uns, anstrengendste Teil der Wanderung. Der Regen hat den Boden arg zugesetzt, es geht bergauf und durch den Gatsch habe ich das Gefühl, einen Fuß nach vorne zu setzen und zwei nach hinten zu rutschen. Doch schon bald ist der Weg, der zum Zick-Zack-Weg wurde, hinter uns. Ma, wie unsere Wanderschuhe ausschauen! Bis zu den Knöcheln im Gatsch. Der Wirt wird sich freuen!

Zum Glück geht es noch ein Stück Asphaltstrecke Richtung Stixendorf. Wir nutzen alle Lacken, um unsere wasserfesten Schuhe wenigstens etwas rein zu bekommen.

Und dann haben wir unser Ziel, das Gasthaus Angerer erreicht. Es gibt die anscheinend weithin bekannten Bratknödel mit Kraut. Und als ich die perfekt geformten Knödel vor mir am Teller sehe, verwerfe ich die Diätpläne. Sowieso wurscht, der Rückweg geht nur noch bergab, also warum nicht herzhaft genießen? Danach noch einen frischen, flaumigen, süßen, hausgemachten Marillenkrapfen.

Nach einer stärkenden Pause treten wir den Rückweg an. Wie gesagt, es geht bergab. Die Gatschstrecke ist inzwischen noch gatschiger und bergab rutschiger. Jetzt ist es egal, die Schuhe müssen sowieso geputzt werden und auf die Hosen, die mittlerweile fast bis zum Knie Gatschspritzer haben, freut sich die Waschmaschine. 

Also warum nicht die herrliche Natur, die sich von ihrer mystischen Seite zeigt, genießen? Die Regenwanderung annehmen und wie ein Knödel bergab rollen. Tja, mit vollem Magen schaut die Welt doch gleich viel sonniger aus, oder?

Danke für die tolle Wanderung, die es lt. Gesprächen vor Ort immer am Heiligen-Drei-Königs-Tag gibt.

Angaben lt. Internetrecherche – gefunden im Vorfeld.

Strecke: ca. 6 Km in eine Richtung

Höhenmeter: ca. 430

Tourbeschreibung: leicht, wenn es mit der Höhe geht

Wo geht es los? Wie kommt man hin?

Start und Ziel: Marktplatz Weißenkirchen

Anreise: Auto - Parkplätze am Bahnhof vorhanden. An unserem Wandertag kostenlos.

Öffentlich: Wachaubahn, Linienbus

Empfehlung für Gruppen: Wander- und Ausflugsbusse ab 6 Personen bei CÄSAR

Wie lange waren wir unterwegs? Gibt es Rastmöglichkeiten? Gastronomie entlang der Runde?

Infos lt. Erfahrung am Tag unserer Wanderung

Unsere Dauer: rund 2 Stunden bergauf (inkl. Fotos und zweimal Rast bei den Labestellen) und rund 1 ½ Stunden (inkl. Fotos) bergab

Bei Bedarf Verpflegung mitnehmen, keine Rastmöglichkeiten gefunden.

Gastronomie entlang der Strecke: ja, in Stixendorf, Gasthaus Angerer, Öffnungszeiten im Internet oder per Telefon erfragen

Folgende Hinweise sind aus unserer Sicht bzw. Anhand unserer Erfahrung am Wandertag:

Markierung: am Tag unserer Wanderung gut markiert. Alleine sollte es aber auch nicht sehr schwer sein, es gibt ein Wandertafel bei der Abzweigung von der Straße in den Wald sowie eine gelbe Markierung

Kinderwagen: nicht geeignet

Rollstuhl: nicht geeignet

Fahrrad: nicht geeignet

Hunde: an der Leine kein Problem.

Wegbeschaffenheit: Asphalt, Waldweg

Wanderung Nummer 304 seit 29.08.2020

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Unsere allgemeinen Wandertipps: Großstadtwanderer

Fotos: Fotografin Renate

Transparenz

Wien, 06.01.2024