Lasst die Korken knallen

Poysdorf, Weinviertel, Niederösterreich

Heute haben wir die Wegweiser der tut-gut-Wanderwege gleich am Parkplatz gefunden. Nicht, wie am Semmering. Diesmal sind wir sicher unterwegs. Aber beginnen wir am Anfang. 

Wir streifen durchs Weinviertel. Eigentlich war unser Wein-Test-Vorrat von unserer Wanderung in Falkenstein am Ende und wir wollten Nachschub holen. Nachdem die Gegend im wirklich dichten Nebel versinkt, pendeln wir über die Bundesstraße weiter. Busfahrerin-Romantik pur. Ich kenne die Strecke noch, als es keine Autobahn gab. Damals musste man sich durch das Nadelöhr Poysdorf schlängeln. Um nicht zu sagen, quetschen. Heute führt die, in rund 9 Jahren, gebaute A5 vorbei.

Inmitten der Weinstadt und Sekthochburg, so kurz, von Wien kommend, nach der engsten Stelle im Ort, ist das Vinoversum mit der Wein+Traubenwelt. Ein Erlebnismuseum rund um das Thema Wein, Weinbau und Handel. Daneben ist der Weinmarkt Poysdorf, der trotz der derzeitigen Corona-Situation offen hat. Leider gibt es derzeit keine Weinverkostungen in Poysdorf, also haben wir einfach etliche Flaschen eingekauft. Weinverkostung to go, sozusagen. Eine Weinverkostung zu Hause ist zwar nicht so romantisch wie in einem typisch weinviertlerischen Weinkeller, noch dazu fehlen die fachkundigen Erklärungen, aber es geht momentan halt nicht anders. Obwohl für mich wieder gut, hätte ich ohnehin als Fahrerin nichts trinken dürfen. Aber wir hätten uns ja auch ein Zimmer entweder im Hotel Neustifter oder im Weinhotel Rieder nehmen können.

Nach dem Einkauf begeben wir uns auf Wanderschaft. Schon am Parkplatz erwartet den Besucher eine umfassende Wanderkarte mit vielen Möglichkeiten. Wir entscheiden uns für den >>tut-gut-Wanderweg 3<<. Knapp 12 KM sollen es sein. Bewegung, ehe uns zu Hause, neben Weinverkostung, mein selbstgemachter Schweinsbraten erwartet. Leider hat ja auch derzeit die Gastro zu und somit fällt ein Heurigenbesuch flach.

Anfangs führt der Weg durch die beschauliche und längste Kellergasse Poysdorf. Der Radyweg, eine klassische Hohlweg-Kellergasse, die durch Befahren mit Fuhrwerken und Benützung als Viehtrift sowie Ausschwemmungen durch Regenwasser über einen langen Zeitraum entstanden ist. Fein finde ich die sehr interessanten Taferl mit Wissensvermittlung entlang des Weges.

Meterhohe Lösswände

Beeindruckend sind die unheimlich hohen Lösswände. Die Kellergasse ist für Fauna und Flora ein ideales Refugium und wir lauschen dort und da unterschiedlichen Singvögeln. Viele Wildsträucher zieren den Weg, im Geiste sehe ich wie romantisch der Weg bei herrlichem Wetter und im Frühjahr oder Herbst sein muss. Im Radyweg gibt es derzeit sechs Schaukeller, die zu Normalzeiten bei einer Kellergassenführung erkundet werden können.

1400 Hektar Rebfläche und somit einer der größten Weinorte des Landes präsentiert sich heute in einem leichten Grauschleier. Dennoch erhebt sich der Nebel genug, um uns etwas Einblick in die sanfte Hügellandschaft zu geben.

Dank der wirklich hervorragenden Beschilderung ist es ein Kinderspiel Weg 3 zu folgen. Bis wir dann am Scheitelpunkt ankommen. Hier trennt sich die 3 von 1 und wir winken dem großen Wanderweg freundlich zu.

Nachdem das Wetter nicht sehr berauschend ist, die Feuchte bereits von uns Besitz genommen hat und auch die Sicht nicht besser wird, brechen wir heute ab und wandern über den tut-gut-Weg 1 Richtung Parkplatz zurück. Und auch ganz ehrlich, eigentlich wollen wir rasch nachhause, wir haben ja noch eine Weinverkostung am Programm... Wir müssen uns noch an die Kundschaft Nr. 15, die wir in der Kellergasse gelesen haben, halten:

Genieße die Stunde in froher Runde,

lass die Sorgen heut` daheim und

vergolde diesen Tag bei einem Glaserl Wein.

Lasst die Korken knallen

Unser Weg führt neben dem Golfplatz entlang. Gemütlich zu gehen. Weiters kommen wir am Marterl am Poysbrunner Weg, einem ehemaligen Wetterkreuz (Hexenkreuz) vorbei. Es ist dem Hl. Sebastian, dem Pestheiligen und Patron der Schützen, geweiht. Die Streckenführung geht rechts neben der ehemals viel befahrenen B7 bis in den Ort. Noch ein paar Schritte und wir erreichen wieder unser Auto. Und jetzt ab nachhause! Bald werden wir wissen, welche geschmackvollen Geheimnisse sich hinter so manch alter Kellertür befinden. Und vielleicht gönnen wir uns auch ein Gläschen vom Frizzante mit dem klingenden Namen Rosé Rosa Munde. Nur so als Belohnung für unsere immerhin rd. 7.000 Schritte.

Unsere allgemeinen Wandertipps: Großstadtwanderer

Fotos von Fotografin Renate

Transparenz

Wien, 28.11.2020