Das Herz der Donau - Auwanderung

Eckartsau, Weinviertel, Niederösterreich

Eigentlich wollten wir heute etwas ganz anderes unternehmen, aber so läuft das Leben manchmal. Während mein Schatz unter der Dusche sein Lied trällert surfe ich noch rasch durch Facebook. Da sticht mir ein stimmungsvolles Bild vom Nationalpark Donau-Auen ins Auge. Dazu ein netter Text, eine detaillierte Wanderbeschreibung und eine Stunde später steigen wir beim Schloss Eckartsau aus unserem Auto.

Ich bin wahnsinnig gespannt, was uns im Auwald der einst jagdbegeisterten Habsburger erwartet. Im Schloss Eckartsau durfte ich schon einige Mal zu Besuch sein und hoch interessanten Führungen lauschen. Aber das ist heute nicht unser Ziel.

Ein sehr gut angelegtes Leitsystem wird uns den 8 km langen Donaurundweg führen. Schon kurz nach Beginn begegnen wir nicht nur vereinzelt anderen Wanderern, sondern zotteligen Zeitgenossen. Die sind ja echt süß. Zum Knuddeln. Wären da nicht die Hörner.

Wir ziehen weiter, passieren den Damm und lassen uns voll und ganz auf das Abenteuer Au ein. Der schon sehr weit vorgeschrittene Herbstwald gibt viele Einblicke in die verwunschene Landschaft. Unheimlich phantasieanregend und packend. Ich kann mich nicht sattsehen. Es ist herrlich ruhig. Hin und da hören wir einen Singvogel. Da und dort knackt es im verschlungenen Auwald. Manchmal stöhnt ein Baum im Herbstwind. Kaum Menschen unterwegs, somit tauchen wir komplett in das faszinierende Szenario ein.

Festen Schrittes gehen wir am, für Wanderer freigegeben, Wanderweg. Unsere Blicke durchforsten die verwunschene Umgebung. Meine Güte, macht ja nichts, wenn der berühmte Auhirsch plötzlich vor uns stehen würde. Heute würde ich ihm nicht nur die Kamera, wie in der Stockerauer Au, umhängen. Heute würde ich ihn fotografieren.

Und dann steht er plötzlich da. Ich hätte ihn gar nicht gesehen, wenn mich mein Schatz nicht plötzlich leise zurück gerufen hätte. Mensch, bin ich erschrocken, obwohl ich vorher noch so siegessicher war.

Glück gehabt, der Herr Hirsch war nicht ganz echt. Aber eine ganz tolle Idee. Hat die Wanderung wirklich hervorragend unterhalten.

Weiter geht es über eine weitläufige Wiesenfläche, wo deutlich Wildschweinspuren zu erkennen sind. Langsam werde ich angespannter, spitze meine Ohren und lausche jedem Geräusch. Man weiß ja nie. Einmal noch um die Kurve und wir sind an der Donau.

Eine Zeitlang führt der Weg entlang des Treppelweges. Und da ist es auch, das Herz der Donau.

Wir beobachten Schiffe und Enten. Diskutieren über Hochwasser und Tierspuren im Sand. Bald müssen wir der Donau auf Wiedersehen sagen. Macht nichts, wir sehen uns in Wien wieder!

Herrlich ist der Weg angelegt, gut beschildert und immer wieder laden kleine Rastplätze zur Pause ein. Sehr gut, denn ich habe erstmals einen wärmenden Tee in der Thermoskanne mit.

Wir ziehen weiter, träumen von Wärme und der atemberaubend schönen Landschaft im beginnenden Frühling. Wie schön muss es hier sein. Die stattlichen Stieleichen haben es mir besonders angetan. Am liebsten würde ich mich unter deren ausladenden Kronen setzen und den unendlichen Augeschichten lauschen. Von den Habsburgern, von deren Blüte und Untergang, deren Vorlieben und romantischen Geheimnissen. Die Bäume könnten mit ihren Geschichten Bücher füllen.

Es raschelt im Geäst. Ein Specht klopft vor sich hin. Irgendwo flattert eine Amsel. Plötzlich bricht neben mir ein dunkler Schatten aus dem Unterholz und huscht davon. Und ich springe mit einem Satz hinter meinem Schatz. Im Schatten des Zwei-Meter-Mannes fühle ich mich wohler, obwohl neugierig bin ich schon, auf welchen Aubewohner wir hier getroffen sind. Gemeinsam sind wir stark. Gemeinsam sehen wir mehr. Doch gemeinsam ziehen wir ohne Rätselslösung weiter. War es gar eine Bisamratte, die hier ansässig sind? Oder ein Biber? Ist der überhaupt so schnell?

Wieder ziehen mich die massiven Stieleichen mit ihren knorrigen Ästen in den Bann. Meine Phantasie schlägt Purzelbäume, kein Wunder haben die Bäume oft biblisches Alter.

Gemütlich geht der restliche Weg weiter, wir kommen bei einem Altarm, wo in den warmen Monaten sich noch die europäische Sumpfschildkröte tummelt, vorbei, queren wieder den Damm und stehen vor dem herrschaftlichen Schloss Eckartsau.

Noch ein paar Minuten und wir treten die rasche Heimreise an. Wir haben Hunger, und kalt ist uns auch. Leider ist aufgrund der derzeitigen Corona-Situation die Gastronomie geschlossen, daher gibt es nun rasche Spaghetti Carbonara.

Ein wirklich schöner Ausflug. Wir kommen wieder. Dann, wenn es hoffentlich auch mehr Tiere zu sehen gibt. Und etwas wärmer ist.

Unsere allgemeinen Wandertipps: Großstadtwanderer

Fotos von Fotografin Renate

Transparenz

Wien, 29.11.2020