Bergwerkseen

Langau, Waldviertel, Niederösterreich

Nun mal Hand aufs Herzerl, aber Langau im Waldviertel entzog sich bis heute meines geographischen Wissens. Langau ist eine Marktgemeinde im Bezirk Horn, an der Grenze zu Tschechien und in der Nähe von Drosendorf und Geras. 

Durch unsere >>tut gut-Wanderbox<< sind wir auf die 3 Routen in Langau gestoßen und neugierig geworden. Knapp 100 Km von Wien entfernt, hat es den Anschein, als hätten wir die Tür zu unserer Welt geschlossen. Wir tauchen in eine Mischung von Vergangenheit, gepaart mit unberührter Natur und Zeitstillstand.

Nach unzähligen fehlgeschlagenen Probebohrungen und einer aufregenden Geschichte, wurde hier von 1948 bis 1963 Braunkohle abgebaut. Schon damals hatten die Wiener fleißig die Finger im Spiel. Tja, wieso ich dann bis heute nichts von diesem Ort gewusst habe, entzieht sich meiner Kenntnis.

Alle 3 >>tut gut<< Wanderrouten starten beim Freizeitzentrum Langau, laufen ein paar Schritte parallel, ehe die Route 3 abbiegt. Wir folgen den Taferl und erklimmen den "Hochkipp", der einst durch das Aufschütten des Aushubes des Braunkohlenbergwerks entstanden ist. Nach der Bergwerksstilllegung wurden Bäume gepflanzt, mittlerweile hat sich ein staatlicher Wald entwickelt. Die Natur holt sich wirklich eindrucksvoll ihr Reich zurück.

Wir durchwandern den kleinen Hügel auf angelegten Schleifen. Klee wächst am Weg bis zu meinen Knöcheln, etwas später durchstreifen wir leichte Gräser, die mir bis zum Knie reichen. Ein entspannendes Gefühl, so eins mit der Natur zu sein. Hin und wieder schimmern noch restliche Tautropfen wie Diamanten.

Unzählige Insekten schwirren um uns herum. Eine Zauneidechse liegt genüsslich auf einem Brombeerstrauch. Je weiter wir den Bergwerksee verlassen, desto ruhiger wird es im Wald. Desto urwaldähnlicher präsentiert sich dieses Stückchen zurückgewonnener Natur.

Bald ist der Weg zu Ende. Wir verlassen über eine "spektakuläre Brücke" die Route 3 und stoßen wieder auf Route 1 und 2 sowie an das Seeufer. Wenige Schritte später legen wir unsere Wanderpause ein. Unzählige Vögel singen uns ein Lied, ich erkenne u.a. Specht, Amsel, Meise, Schilfrohrsänger. Aus der Ferne ruft ein Kuckuck.

Wir befinden uns am Erlebniswanderweg "Bienenlandl" und lernen, dass Biene als Einzelwesen nicht selbstständig sind, sondern in einer Sozialstruktur (Staat) auf die anderen angewiesen sind. Einige Schautafeln erzählen über Leben und Arbeit der für uns Menschen so wichtigen Flugkünstler. Ohne ihre Bestäubung der meisten Blütenpflanzen könnten diese keine Früchte hervorbringen.

Route 1 endet mit dem Bienenlandl-Weg und führt zurück zum Ausgangspunkt. Route 2 und 3 verlassen bald die Bergwerkseen, führen am Campingplatz vorbei und streifen die Verladestation des ehemaligen Braunkohlebergbaus.

Nach der Durchquerung eines kurzen Waldstücks kommen wir auf eine freie Fläche und stehen faszinierenden Wolkenstimmungen gegenüber. Das verschwindende Sonnenlicht taucht die Szenerie in eine atemberaubend schöne Stimmung. Wenn gleich, das wohl nahende Gewitter unsere Schritte beflügelt. Zu fest sind die letzten unheilbringenden Unwetter in unserem Kopf verankert.

Noch rasch durch die Liebesbucht. Der Name stammt aus der Zeit als der See noch mit rotem Wasser gefüllt war, aber auf dem Wasser reger Windsurfbetrieb herrschte.

Ein letzter Blick zurück, Autotür auf und Regen an. Wie sooft bei unseren Wanderungen haben wir es gerade noch geschafft. Doch es wird gottseidank kein Unwetter, denn nach ein paar Regentropfen war der Spuk auch schon wieder vorbei.

Empfehlenswert für Abenteurer: Die Abkühlung nach der Wanderung in den Bergwerkseen - Schwimmen ist im Freizeitzentrum Langau erlaubt. Lustig muss auch die Fahrt auf Reifen bei hoher Geschwindigkeit über den See sein.

Heute bleibt das Krisenkochbuch geschlossen. Wir lassen den Wandertag beim Heurigen "Zum Koarl", wo wir auch schon oft mit CÄSAR-Gruppen eingekehrt sind, ausklingen. Ich freue mich endlich wieder mit wirklich herrlichem Essen verwöhnt zu werden. Habe ich mir mehr als verdient.

Strecke - Route 3: ca. 6 km bei 8.000 Schritten

Höhenmeter: rund 42 Hm

Dauer - inklusive Tierbeobachtungen, Foto- und einer Wanderpause am Rastplatz: ca. 3 Stunden

Weitere Beschreibung unter https://www.noetutgut.at/gemeinde/tut-gut-wanderweg/

Unsere allgemeinen Wandertipps: Großstadtwanderer

Fotos von Fotografin Renate 

Transparenz

Wien, 04.07.2021