Großstadtwanderer im Dschungel

Laa an der Thaya - >>tut gut<< Wanderweg, Route 3

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Sonntagmorgen. Die Woche war anstrengend genug, die Nächte waren kurz und der Wetterbericht schwafelt von Dauerregen, Unwetter und Kältefront. Ich surfe im Internet, während Chef überlegt: Wandern ja oder nein. Er stöbert in der >>tut gut<<-Wanderbox, verwirft eine Karte nach der anderen, bis er mir eine vorlegt. Aja, 7,1 km bei läppischen sieben Höhenmetern.

Ich kannte bis jetzt Laa an der Thaya lediglich von der Durchfahrt auf dem Weg nach Tschechien bzw. namentlich aufgrund der relativ neuen Therme Laa. Sowie durch das Hubertus-Bier, das in Laa gebraut wird. Und schon bin ich am Ende meiner Weisheit und staune nicht schlecht, welch schönes, absolut platzbeherrschendes neues Rathaus hier steht. Erbaut nach den Plänen des Wiener Architekten und Stadtbaumeisters Peter Paul Prang im Stil des Historismus. Es spiegelt Laas Aufstieg zu einem politischen und wirtschaftlichen Zentrum der Region wider. Wobei von der einstigen Pracht umher heute leider nicht mehr viel zu sehen ist, auch das ehemalige Bürgerspital mit Spitalskirche steht leer.

Im 19. Jahrhundert wurde die Thaya reguliert und nun fließt lediglich der künstlich angelegte Thayamühlbach-Kanal, den wir einige Zeit begleiten, durch die Stadt. Ich bin hin- und hergerissen. Einmal fühle ich mich als zauberhafte Fee im Märchenwald, dann wieder als Dschungelkämpferin im Urwald. So schön ist es hier. Ruhig, beschaulich und naturbelassen. Eine wahre Wohltat für uns Großstadtwanderer.

Wir passieren die Schwimmschule, die bereits 1908 in einem illustrierten Führer durch Laa an der Thaya erwähnt wurde. Damals gab es noch die absolute Geschlechtertrennung in Herren- und Damenbad sowie eine zeitliche Beschränkung auf eine Stunde. Beim Hanfthaler Frauenbild, oft Ziel von Prozessionen und ein beliebtes Ausflugsziel, legen wir unsere Frühstücks- und Wanderpause ein.

Uns fröstelt inmitten der über 170 Jahre alten Linden. Das Wetter zieht zu, ein kalter Wind kommt auf.

Wir ziehen weiter und erreichen die Streu-Obstgärten in der Frauenwiese, die bis vor der Thaya-Pulkau-Regulierung sumpfiges Gebiet war. Heute ist die Streuobstwiese ein einzigartiges Biotop, das sich weitgehend selbst überlassen ist und unzähligen Tieren ein Zuhause bietet.

Wir passieren das "Steinerne Bett" und wandern durch den Pfaffengraben. Gewitterwolken ziehen auf, die Luft ist zum Schneiden. Nichts mehr mit Kälte, sondern jetzt schwitze ich. Irgendwie habe ich das Gefühl auf einer Kneippkur zu sein. Ein herrliches Augebiet umschließt uns - die Luft wird noch drückender, dafür beginnen die Schmetterlinge zu fliegen. Zum ersten Mal in unserem Leben sehen wir einen "Großen Schillerfalter".

Wir laufen neben der Grenze zu Tschechien, sehen ein Schild "Achtung Staatsgrenze" und biegen Richtung Innenstadt ab. Neugierige Einheimische trauen sich langsam zu den Großstadtwanderern. Nach einem freundlichen "Muh" kommen wir wieder in verbautes Gebiet und erreichen den Reckturm, der die Nordweststrecke der Wehranlage markiert. Ab 1830 lag hier der Friedhof, daher blieb dieser Stadtteil unverbaut und der Turm in seiner ursprünglichen Höhe erhalten. Die Bezeichnung Reck- oder Streckerturm geht auf die Verwendung als Kerker und Ort der "peinlichen Befragung" zurück. 

Ehe uns nun jemand peinliche Fragen stellt, wandern wir an alten Bauernhäusern vorbei bis zur sagenumwobenen Burg.

Die gewittrige Stimmung wird immer intensiver und raschen Schrittes schreiten wir noch durch den Grillparzerpark und streifen zum Abschluss die stillgelegte Mühle. Im Jahre 1426 gab Kaiser Ferdinand I die Erlaubnis, die Mühle außen an der Stadtmauer zu errichten und innerhalb der Stadt ein Wohnhaus zu bauen. Von 1910 bis in die 80er Jahre gehörte sie zu den leistungsfähigsten Mühlen des Landes.

Strecke: 7,1 km, rund 10.100 Schritte

Höhenmeter: 7

Start und Ziel: Thermenhotel, Thermenplatz 3

Unsere Dauer - inklusive Tierbeobachtungen, Fotopausen, einer Wander-Frühstückspause: ca. 3 Stunden

Kleiner Tipp aus Sicht der Großstadtwanderer: leichter Rundwanderweg, 3 >>tut gut<< Routen unterschiedlicher Länge vorhanden, entlang der Strecke immer wieder Sitzgelegenheiten. Anschließend Entspannung in der Therme.

Wien, 29.08.2021

Transparenz

Fotos von Fotografin Renate, www.fotografinrenate.at. Text bei Renate Stigler. Keine bezahlte Werbeeinschaltung. Bei diesem Text handelt es sich um persönliche Erfahrungen, die eine werbende Wirkung haben könnten, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt oder bezahlt wurde! Weiters ist es eine Momentaufnahme am Tage unseres Besuches. Wir weisen darauf hin, dass wir keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit dieser Informationen sowie für gegebenenfalls daraus resultierenden Schaden übernehmen.

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Achso, wenn du Rechtschreibfehler findest, dann kannst du es mir gerne sagen oder dir behalten. Ich mache mir dann einfach wieder welche.