Verhext war es wirklich

Wenn die Sonne die Wanderrichtung bestimmt

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Jetzt kann ich wieder lachen. Mein ganzer Körper regeneriert sich langsam und im Nachhinein bin ich wirklich froh, diese Wanderung erlebt haben zu dürfen. Obwohl Hand aufs Herz, wenn ich alles vorher gewusst hätte, hätten wir diesen grandiosen Ausblick nie mit eigenen Augen gesehen.

Aber beginnen wir heute Morgen im dichten Schneetreiben in Wien. Egal welchen Wetterbericht ich durchschaue, alle sagen nur Schnee und Regen für heute voraus. Aber hinaus müssen wir trotzdem, da wir einiges zu erledigen haben.

Nun, ab ins Auto und kurz vor Fischamend hört der Schneefall auf und wir vermuten Richtung Hainburg leichte Sonne. Alles erledigt - ich parke mich am Sportplatz am Fuße des Hundsheimer Berges, auch Hexenberg genannt, im Schnee ein. Die Sonne versteckt sich nur hinter leichten Wolken und wir ziehen los.

Am Parkplatz ist eine uralte Wanderkarte, tja, na ehrlich, also so anstrengend schauen die Wege nicht aus. Frisch und munter negieren wir das "Gipfel, einfach" Schild und zweigen stattdessen zum "Große Klamm, Gipfel" ab. Anfangs führt der schneebedeckte Weg wirklich nett durch niedrige Stauden, bis wir kurz inne halten. Unter der Schneeschicht blitzt blankes Eis hervor. Uns überholen zwei Wanderer. Nein, sie gehen den Weg auch zum ersten Mal, aber so dramatisch kann er nicht sein. Einige Zeit verfolgen wir die beiden roten Jacken. Nun, es geht nach rechts, dann bergauf, links. Dann sind sie aus unserem Sichtfeld verschwunden.

Vorwärts oder Rückzug?

Sollen wir zwei Großstadtwanderer den Weg wagen? Obwohl gute Winterwanderschuhe haben wir. Tee ist mit. Fotoausrüstung ebenso. Na, dann mal weiter. Der Weg ist genau einen Fußbreit, immer öfter gibt es glatte Stellen und immer öfter umarme ich einen Baum als Rettungsanker. Wir schrauben uns immer höher. Ich weiß nicht, wie oft wir zurückgerutscht, anstatt nach vorne gekommen sind. Wildromantisch zeigt sich die winterliche Klamm den Großstädtern. Die Luft ist eisig, aber klar. Ich spüre die Anstrengung in mir hochkrabbeln. Der schwere Rucksack und mein Großstadtlebendgewicht sind nicht für solche Wanderwege gebaut. Jeder Schritt wird schwerer, aber es gibt kein Zurück.

Irgendwann packe ich die Kamera weg. Wurscht, keine Fotos, aber ich brauche beide Hände für den Anstieg. Nicht selten ergreife ich Grashalme, dünne und dicke Äste, Bäume und krabble auf allen Vieren weiter gegen Himmel. Hinter mir versucht mich mein Freund aufzubauen, schau, da oben sind wir sicher am Ziel! Ah, wirklich sicher? Jeder Schritt schmerzt mittlerweile, als wir eine kleine Pause machen und uns zwei Wanderer überholen. Nein, den Weg kennen sie nicht, aber da oben ist man sicher am Ziel und dann geht es da halt wieder runter.

Runter ohne mich

In mir schrillen die Alarmglocken! Da RUNTER!! Nein, nichts um die Welt. Da zahle ich lieber einen Hubschraubereinsatz oder die Bergrettung oder rufe ein UFO um Hilfe. Aber da gehe ich sicher nicht mehr runter, denn das hieße ja nicht wandern, sondern rutschen.

Mein Schatz versucht mich aufzubauen und animiert mich, mich umzudrehen und die langsam durch die Äste scheinende Aussicht zu genießen. Der hat Nerven. Zurückschauen will ich überhaupt nicht. Nach oben ist es schon katastrophal genug.

Doch langsam scheint der Weg tatsächlich zu enden. Uns kommen zwei Wanderer bergab entgegen. Ihr seid gleich oben, klingt es in meinen Ohren. Ja, sie gehen da hinunter. Wird schon passen. Sie gehen auch zum ersten Mal. Anderen Weg bergab? Wäre ihnen jetzt nicht bekannt.

Na bravo. Ich will gar nicht dran denken, denn wir haben jetzt die steilste und eisigste Stelle vor uns. Zum Glück kommt niemand mehr, denn es muss ein Bild für Götter sein. Zwei Großstadtwanderer mit schwerem Rucksack auf allen Vieren auf den letzten Höhenmetern. Ich verfluche die Sonne, die uns hierher gebracht hat. Wären wir doch, wie geplant, im Schneegestöber nur die geplanten 4 Km Auwanderweg ohne Höhenmeter gegangen. Wir mussten uns jedoch vom schönen Wetter verleiten lassen und ohne wirklicher Vorbereitung loswandern.

Wir haben es geschafft - die Aussicht belohnt den steilen Anstieg

Endlich. Wir sind oben. Eine herrliche Aussicht liegt uns zu Füßen. Die kalte Luft ist optimal und der Blick reicht von der ungarischen Grenze, über dem Neusiedlersee (der goldene Streifen am Horizont auf Bild 1) und die Donau bis nach Wien. Ich bin überwältigt. Nachdem ich nicht mehr wie ein Dampfroß keuche, hole ich die Kamera aus dem Rucksack, während mein Schatz mit einem Einheimischen plaudert. Achja, wir können stolz auf uns sein, haben wir doch den steilsten Weg mit knapp 300 Höhenmetern am Stück genommen. Wenn wir jetzt noch bis zum Weg gehen, dann nach links, über die kleine Schutzhütte und den einfachen Weg runter, kommen wir gemütlich zum Auto. Und er geht den Weg bis zu dreimal täglich. Durch die Klamm? Sicher, in rund 25 Minuten. Im Winter schon mal 40 Minuten. Unsere Uhr zeigt uns 1 Stunde 20. Bin ich stolz, ich kann es gar nicht beschreiben.

Ich klopfe mir auf die Schultern und schreibe uns im Gipfelbuch auf 480 m ein. Danach wärmen wir uns in der, zwar leeren, aber dennoch windstillen Schutzhütte mit unserem mitgebrachten Tee auf, plaudern mit anderen Gipfelstürmern und genießen anschließend nochmals die grandiose Aussicht.

Wir durchstreifen noch die besondere Schnee-Dünenlandschaft am Berg, die uns an unseren letzten Strandurlaub am Meer erinnert, und wandern den einfachen Gipfelweg gut gelaunt bergab. Jetzt können wir wieder lachen, während wir noch die letzten Blicke über die Landschaft schweifen lassen, an einem alten Steinbruch vorbeigehen und lachend das Schild "Große Klamm, Gipfel" passieren.

Aber jetzt geht es ab nach Hause, wo es, aufgrund der noch immer corona-bedingt gesperrter Gastronomie, aus meinem Krisenkochbuch Wiener Suppentopf gibt. Danach gibt es Tafelspitz mit Spinat (IGLO sei Dank) und Rösterdäpfel. Ja, ich erweitere nicht nur meine Wanderkenntnis, sondern auch meine Kochkenntnis. Eventuell schreibe ich irgendwann mein Krisenkochbuch weiter. Bis dahin bleib mit uns verbunden und freue dich auf unsere Erlebnisse.

Übrigens, wir waren rund 3 Stunden unterwegs.

Der Weg ist laut Internet in etwa 4 Km mit rund 300 Höhenmetern.

Wien, 16.01.2021

Transparenz

Fotos von Fotografin Renate, www.fotografinrenate.at. Text bei Renate Stigler. Keine bezahlte Werbeeinschaltung. Bei diesem Text handelt es sich um persönliche Erfahrungen, die eine werbende Wirkung haben könnten, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt oder bezahlt wurde! Weiters ist es eine Momentaufnahme am Tage unseres Besuches.

Gerne stehe ich aber für bezahlte Aufträge zur Verfügung. Infos bei mir.

CÄSAR-Bus -> Wir sind da

Wir bieten Reisebusse für Wandergruppen, Betriebe, Gruppenreisen, Schulen, Kindergärten, u.vm. Wir organisieren Tages- und Mehrtagesfahrten in Österreich (Hotel, Gastronomie, Besichtigung, Stadtführer, etc.).

Achso, wenn du Rechtschreibfehler findest, dann kannst du es mir gerne sagen oder dir behalten. Ich mache mir dann einfach wieder welche.