3-Kirchen-Rundweg

Hafnerberg - Klein-Mariazell - Altenmarkt

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1653 errichtete der Müllermeister Pankraz Reichard am Hafnerberg einen Bildstock. Zahlreiche Gebetserhörungen ("Mirakel") sollen sich hier anfangs des 18. Jh. ereignet haben. 1729 wagte sich der (Klein-)Mariazeller Abt Ildephons an den Bau der heutigen Kirche, der bereits 26 Jahre später fertig war.

Beeindruckend ist das erste große eigenständige Werk an der Decke von Ignaz Mildorfer (1719-1775), einem Schüler Paul Trogers.

Nach einem Kirchenbesuch und einem kleinen Gebet starten wir unsere Runde und erreichen die erste Station des Kreuzwegs. Und auch die erste kleine Steigung ist geschafft.

Romantisch liegt der Weg mitten im Föhrenwald, der weiche Waldboden tut unseren Großstadt-Asphaltwüsten geplagten Füssen richtig gut. Und diese herrliche Waldluft!

Wir öffnen ein Gatter und durchstreifen vorsichtig eine Weide. Gottseidank sind wir den Kühen komplett egal. Sie liegen gemütlich in der Sonne und genießen die herrliche Weitsicht. Ehe wir die Weide wieder verlassen streifen wir den mystischen Platz mit Lochstein. Den Abstecher zum Druidenstein, einer Felsnadel auf einer Bergkuppe, lassen wir diesmal aus, schließen hinter uns das Gatter und atmen auf. Als Großstädter kennt man Rindviecher leider nur am Teller.

Wir kommen bei einem Kalendarium (Visurhügel) vorbei. Wie das Ganze in prähistorischer Zeit funktioniert haben mag, kann man vor Ort nachlesen. Ich genieße lieber diese ruhige, ländliche Stille. Sauge die Luft in mich auf und begrüße freundlich die Tierwelt, die sich in einem Paradies befindet. Ach, wie gerne wäre ich eine Kuh.

Nun gut, stimmt, Kuh bin ich öfters, aber halt in einem anderen Sinn. Lassen wir das Thema, denn wir sind mittlerweile beim "Hübner-Kreuz" vorbeigekommen und haben eine Bank mit grandioser Aussicht gefunden. Wo bitte könnten wir schöner unsere Wanderpause halten, als hier?

Gestärkt geht es weiter Richtung Ganslsteig. Nun, in anderen Wegbeschreibungen steht immer, ein mittelschwerer Steig, der aber bei trockenem Wetter gut zu gehen ist. In einer Wanderbeschreibung habe ich von einer Wahlmöglichkeit vor Ort gelesen - Ganslsteig oder gemütlicher Abstieg. Daher trauen wir uns auch die Runde zu gehen.

Der Einstieg zum Steig ist erreicht und Variante B war wohl eine gute Internetfinte. Haha, ich würde gerne lachen, hätte ich jetzt nicht Schiss. Was wird uns erwarten? Trocken, nein, sogar mehr wie trocken ist es ja. Dennoch Wurzeln, Steine und Gefälle machen uns zu schaffen. Ich setze jeden Schritt bewusst und habe das Gefühl, dennoch nicht weiter zu kommen. Ich weiß schon, geübte Wanderer lächeln über uns. Aber nochmals, wir kommen halt aus Wien, da gibt es solche Steige nicht.

Bergab habe ich noch nie soviel geschwitzt wie jetzt gerade. Meinen Blutdruck frage ich gar nicht, wie es ihm geht. Und endlich: wir sind heil am Ende angekommen. Klopfen uns auf die Schulter. Bewundern unser Wanderkönnen und gehen gemütlich weiter.

Schön der Wald, jedoch begleiten uns bereits unmissverständlich die ersten Herbstboten.

Wir erreichen Klein-Mariazell, unser eigentliches Ziel und unser erster Weg ist zum heutigen kleinen, aber sehr netten Waldfest. Nach einer lustigen Zeit besuchen wir die barocke Basilika des ehemaligen Benediktinerklosters (Klein-)Mariazell. Da gerade eine Messe abgehalten wird, mache ich nur rasch zwei Fotos und wir gehen in die Stiftstaverne auf kalte Getränke.

Der Weg nach Altenmarkt geht nun einige Zeit der Straße entlang. Wenn auch nicht viel befahren, bleibt es dennoch eine gefährliche Asphalthatscherei. Endlich haben wir das Drehkreuz erreicht und betreten wieder eine Weide. Eine unglaublich riesige Weide. Die Kühe können wirklich stolz sein, hier leben zu dürfen. Rot-Weiß markierte Stangen zeigen uns den Weg, wir steigen über Kuhfladen und Rossknödel und sehen zum Glück die Tiere nur von weitem. Ich will ehrlich gesagt, nur noch die Weide verlassen. Ich mag es auch nicht, wenn fremde Menschen durch unsere Wohnung wandern.

Das zweite Drehkreuz steht direkt bei der dritten Wallfahrtskirche in Altenmarkt. Leider ist die Kirche versperrt. Nun führt der Weg noch ein Stück durch verbautes Gebiet, vorbei an der Pestsäule "Schwarze Mutter Gottes" zur "Hofnerbruck", von der nur noch Reste zu sehen sind. Sie wurde am Ende des 2. Weltkrieges gesprengt.

Bei der Nepomuk Kapelle machen wir noch kurz Rast. Sie wurde 1763 zum Dank für glimpflich überstandene Unfälle entlang der alten Straße (Heute "Via Sacra" Fussweg) erbaut. Nun geht es noch rund 15 Minuten auf einer Forststraße bergauf. Überall in den Wanderberichten steht "steil", also ich finde es nicht wirklich steil. 

Vielleicht übersehe ich auch die Steigung, da mich die Strecke in ihren Bann gezogen hat. So schön dieser Weg mit seinen Felsformationen. Oder ist es schon die Vorfreude auf ein köstliches Mal am Ende des Weges in Hafnerberg?

Strecke: lt. Internet 10 km, lt. unserem neuen Schrittzähler 11,73 km

Höhenmeter: 248

Start und Ziel: Wallfahrtskirche Hafnerberg

Unsere Dauer - inklusive Fotos, Wanderpause, Besuch in den Wallfahrtskirchen, Besuch am Waldfest, Getränkepause in Klein-Mariazell: 6 Stunden (Essenspause zum Schluss nicht inkludiert)

Kleiner Tipp aus Sicht der Großstadtwanderer: Empfehlenswert ist am Schluss eine Einkehr im Gasthaus "Kleiner Semmering" in Hafnerberg. Die Speisekarte der Stiftstaverne in Klein-Mariazell ist sehr italienisch gehalten. Wer noch tiefer in die Geschichten der Wallfahrtskirchen eintauchen möchte, sollte sich für eine Führung interessieren. Im Großen und Ganzen ist der Weg gut ausgeschildert.

Wien, 11.09.2021

Transparenz

Fotos von Fotografin Renate, www.fotografinrenate.at. Text bei Renate Stigler. Keine bezahlte Werbeeinschaltung. Bei diesem Text handelt es sich um persönliche Erfahrungen, die eine werbende Wirkung haben könnten, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt oder bezahlt wurde! Weiters ist es eine Momentaufnahme am Tage unseres Besuches. Wir weisen darauf hin, dass wir keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit dieser Informationen sowie für gegebenenfalls daraus resultierenden Schaden übernehmen.

Achso, wenn du Rechtschreibfehler findest, dann kannst du es mir gerne sagen oder dir behalten. Ich mache mir dann einfach wieder welche.