Guglzipf - Waldlehrpfad

Berndorf, Industrieviertel, Niederösterreich

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Kennst du das? Es ist Freitagabend. Morgen hast du frei. Gut motiviert gehst du schlafen, immerhin weißt du bereits heute, dass morgen rund 12 km Wanderung am Programm stehen.

Dann wachst du auf, und ehe der Kaffee aus der Kaffeemaschine läuft, brabbelt der Wetterbericht von heftigen Gewittern. Die Wetterkarten im Netz bestätigen die Durchsage, vorzugsweise in jeder Region, die eigentlich heute am Wanderprogramm steht. Also mal umdisponieren. Und wie es so ist, es läuft die Zeit, die Wandermotivation geht wieder schlafen und der Körper schreit nur noch nach einer kleinen Runde.

Und so sticht mir wieder der Guglzipf im Hauptort des Triestingtals, der Stadtgemeinde Berndorf, inmitten kraftspendender und lufterfrischender Schwarzföhrenwälder, ins Auge. Dann mal los. Noch scheint die Sonne, die Wetterlage scheint stabil, als wir durch das Holztor treten und uns Schritt für Schritt auf exakt 473,49 m über die Adria bringen. Die Schwüle ist ein Wahnsinn, ich weiß nicht mehr, wo mir der Schweiß als erstes hinunterläuft.

Schon nach kurzer Strecke erreichen wir den Krupp-Tempel. Die Familie Krupp ist eng mit der Geschichte Berndorfs verbunden - empfehlenswert ist ein Besuch im Krupp-Stadt-Museum. Glaube ich gerne, dass Hermann hier diesen wunderbaren Ausblick genießt, wobei ich habe den Vorteil, ich kann mich auch umdrehen. So sehe ich die Margaretenkirche, benannt u.a. nach der Frau von Arthur Krupp. Sie gilt als Wahrzeichen der Stadt. Daneben liegen die Stilklassen, 12 Schulklassen, die weltweit einzigartig sind und von Arthur Krupp gestaltet und finanziert wurden. Oft besucht von unseren CÄSAR-Kunden.

Der Weg ist eine Mischung aus Stein- und Wurzelweg. Irgendwie habe ich das Gefühl, der Luftdruck wird immer drückender und meine Schritte immer langsamer. Auch hier hat die Trockenheit der letzten Monate ihre Spuren hinterlassen und es herbstelt schon extrem.

Entlang des Weges stehen Tafeln zum Thema Wald, Geschichte, Wirtschaft sowie der Tierwelt. Zugegeben etwas in die Jahre gekommen, dennoch hoch informativ. Mittlerweile gibt es nur noch eine weiß-rot-weiße Markierung, der wir gekonnt einmal nicht folgen und so eigentlich schon weiter als geplant marschiert sind. Wir laufen dann mal konfus und sternenförmig in alle Richtungen, um dann wieder den erst gewählten und irgendwann abgebrochenen Weg zu folgen und landen endlich am Guglzipfl. Mensch, wenn wir mal nicht soviel von anderen Dingen abgelenkt wären, nicht so viel tratschen und träumen, dann hätten wir den Pfeil nach rechts gesehen. Auch egal. Wir sind oben. Und mittlerweile sind wir ganz oben.

Wir haben die 135 Stufen geschafft und stehen am Aussichtsturm, 34 m über dem Waldgasthaus und starren Richtung Schneeberg, wo die erste Gewitterwelle anrollt. Also doch. Einige Zeit beobachten wir und hoffen, die Gewitterzone rollt an uns vorbei.

Es ist Mittagszeit, wir lassen uns im Gasthaus verwöhnen, als ein paar Tropfen in meinen hausgemachten Quittensaft fallen. Zwischen den Bäumen hindurch ist es voll dunkel und ein Donnerschlag lässt mich erschauern. Na geh, ned jetzt. Ned jetzt, solange wir noch auf die Nachspeisen warten und ned jetzt, wo wir eigentlich noch weiter wandern möchten.

Das Gewitter zieht links vorbei, es wird kühler, angenehmer. Hinter uns ziehen Damen ihre Jacken an, wir freuen uns auf eine entspannte Weiterwanderung, immerhin hätten wir noch an die 6 km geplant. Und schon geben die Wolken der Sonne eine Showbühne. Es ist drückend schwül, fast bleibt mir die Luft zum Atmen weg. Die Jacken werden wieder ausgezogen.

Die Teller sind leer, die Gläser halbvoll und die nächste Gewitterwalze kommt näher. "Wenn sie vom Schneeberggebiet kommt, dann kommt sie", meint die Kellnerin. Na fein. Sie kommt von dort. Mir wird mulmig, immerhin gab es erst vor kurzem tragische Ereignisse rund um Gewitter. Also austrinken und Rückzug. Mit den besten Wünschen der Gastleute gehen wir am fast selben Weg zurück zum Ausgangspunkt. Kaum im Auto angekommen, spukt eine Wolke auf unsere Windschutzscheibe. Hoffentlich wird es nicht dramatischer.

Strecke lt. Angabe vor Ort: 3,6 Km.

Höhenmeter lt. Angabe vor Ort: rund 161 Hm

Start und Ziel: wir sind in der Nähe des Bahnhofs gestartet

Unsere Dauer inkl. Fotos und einer Mittagspause: 3 Stunden

Unsere Wandertipps: Großstadtwanderer

Zusätzliche Hinweise aus unserer Sicht: Am Tag unserer Wanderung gut beschildert. Wenn man auf die rot-weiß-rote Markierung Acht gibt. Bei Bedarf Verpflegung mitnehmen, viele Rastmöglichkeiten gefunden. Einkehrschwung im Waldgasthaus Guglzipf empfehlenswert - Öffnungszeiten beachten.

Wien, 27.08.2022

Transparenz

Fotos von Fotografin Renate, www.fotografinrenate.at. Text bei Renate Stigler. Keine bezahlte Werbeeinschaltung. Bei diesem Text handelt es sich um persönliche Erfahrungen, die eine werbende Wirkung haben könnten! Weiters ist es eine Momentaufnahme am Tage unseres Besuches. Wir weisen darauf hin, dass wir keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit dieser Informationen sowie für gegebenenfalls daraus resultierenden Schaden übernehmen.

Achso, wenn du Rechtschreibfehler findest, dann kannst du es mir gerne sagen oder dir behalten. Ich mache mir dann einfach wieder welche.