Brunner Weinwanderweg

Brunn am Gebirge

Kleiner Tipp am Rande: bei Fotogalerie auf die Fotos klicken, dann erscheinen diese im Vollformat

Nun umrunden wir den Bahnhof schon zum zweiten Mal. Alle möglichen Streckenschilder haben wir gefunden, nur nicht den "Brunner Weinwanderweg". Laut Internetbeschreibung soll er hier starten.

Genervt krame ich in meiner Hosentasche nach meinem Handy. Wenn mir etwas gegen den Strich geht, dann, wenn ich ein technisches Firlefanz benötige, um auf den rechten Weg zu kommen. Wer uns Großstadtwanderer schon länger verfolgt, weiß, dass wir es lieben ohne technischen Kram on tour zu sein. Unser normaler Alltag ist ohnehin technisch bestimmt, da möchte ich bei unseren Wanderungen davon eine Ruhe haben.

Während ich so verzweifelt in meinem Handy nach der Beschreibung suche, läuft mich ein anderer Wanderer fast um den Haufen. 'Typisch', fluche ich leise, 'wer ins Handy schaut, der sieht die reale Welt nicht'. Er hat es eilig, kommt anscheinend gleich sein Zug. Da geht sich kein "t'schuldigung" mehr aus. Mittlerweile habe die Wegbeschreibung auf der Niederösterreich-Seite gefunden.

"Der Weg führt durch das Ortszentrum, am Gemeindeamt und dem Veranstaltungszentrum BRUNO vorbei in die Adolf Hruza-Straße". Da sucht sogar der Hl. Donatus, der Schutzpatron der Brunner Weinhauer die Gegend ab.

Geschafft, da wären wir mal, aber Schild haben wir noch keines gesehen. Auf der Liechtensteinstraße laufen wir dann in die falsche Richtung, bis ein erneuter Blick aufs Handy uns wieder auf Umwegen auf den rechten Weg bringt. Nun bin ich komplett genervt und würde mich am liebsten nach Wien beamen.

Doch ehe ich den Winzerhut drauf werfe, haben wir endlich den Sieghartsbergweg erreicht und sehen das erste Schild.

Warum denn nicht gleich? Wäre doch so einfach! Wenn schon ab Bahnhof angepriesen wird, dann doch gleich mit dem schönen Schild. Als Belohnung, in erster Linie für meine Nerven, verführe ich meinem Chef gleich zu Wanderbeginn zu unserer Wanderpause - mit herrlichem Weitblick.

Nun geht es gut gestärkt und wieder mit guter Laune weiter. Ab hier ist der Weg perfekt - sogar in beide Richtungen - beschildert. 12 Schautafeln entlang der Strecke erzählen von Hauptrebsorten, Bodenbeschaffenheit, Lebensräumen, Geschichte und vielem mehr.

Der Herbst ist im Kommen und die Weinlese steht vor der Tür. In saftigen Farben und strahlend schön präsentieren sich die Trauben.

Ich halte mich zurück und lasse die Trauben am Rebstock. Ich möchte doch nicht schuld sein, wenn ich dann beim Heurigen nächstes Jahr noch ein 1/8 bestelle und er mir sagt, tut leid, die Trauben wurden im Herbst 2021 vom Stock vernascht.

Nach den Wirren des 2. Weltkrieges hätte ich ohnehin keine Chance zum Diebstahl gehabt, denn um die kargen Ernten vor Leuten wie mir zu schützen, gründeten die Winzer den Weinbauverein. Sie teilten das Brunner Weinbaugebiet in vier gleiche Teile und errichteten vier "Weinhiatahütten", von wo ab Ende August je ein "Hiata" Traubenwache und Ausschau nach Dieben hielt. Der Hiatabaum vor jeder Hütte zeigte an, dass die Hütte besetzt und bewacht war. Zwei Hütten entlang der Strecke erzählen die alten Geschichten.

Grandiose Blicke auf Wien liegen vor uns, auch wenn das dunstige Wetter keine guten Fotos erlaubt. Das musste ich auch gleich zu Beginn, beim Blick auf die Burg Liechtenstein feststellen. Aber alles kann ich heute anscheinend nicht haben.

Dafür habe ich nun eine lückenlose Beschilderung und eine unbeschwerte Wanderung. Bis wir nach dem "Biologischen Weinbau" zur Leopold-Gattringer-Straße kommen und die Schilder wieder verschwinden. Nicht schon wieder. Abermals bemühe ich mein Handy. Und so kommen wir dann doch noch zum Bahnhof zurück.

Im Großen und Ganzen eine nette, kleine Wanderung, wenn man endlich die Taferl gefunden hat.

Strecke: lt. Internet 5,27 km

Höhenmeter: 102

Start und Ziel: Bahnhof Brunn am Gebirge/Brunn-Maria Enzersdorf

Unsere Dauer - inklusive Tierbeobachtungen, Fotopausen, Wanderpause und etwas verlaufen: ca. 2 3/4 Stunden

Kleiner Tipp aus Sicht der Großstadtwanderer: Verpflegung mitnehmen, entlang der Route keine Einkehrmöglichkeit, erst wieder im Ort. Oder Einkauf in Höhe vom BRUNO bei der großen Fleischerei mit Bäckerei, die sogar heute am Sonntag bis 14.00 geöffnet hatte, schade, aber wir hatten schon Proviant mit.

Wien, 05.09.2021

Transparenz

Fotos von Fotografin Renate, www.fotografinrenate.at. Text bei Renate Stigler. Keine bezahlte Werbeeinschaltung. Bei diesem Text handelt es sich um persönliche Erfahrungen, die eine werbende Wirkung haben könnten, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt oder bezahlt wurde! Weiters ist es eine Momentaufnahme am Tage unseres Besuches. Wir weisen darauf hin, dass wir keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit dieser Informationen sowie für gegebenenfalls daraus resultierenden Schaden übernehmen.

Achso, wenn du Rechtschreibfehler findest, dann kannst du es mir gerne sagen oder dir behalten. Ich mache mir dann einfach wieder welche.