Sagen- und Mythenwanderweg

Auberg

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Vor vielen Jahren war ich, damals noch als Reisebuslenkerin, mit einer Gruppe in Ungarn, wo ich zur Hexe "Octavia" geschlagen wurde. Deshalb legt mir mein "Chef" mit einem schelmischen Grinser den Sagen- und Mythenwanderweg in Auberg ans Herz. Dort soll ich mich ja wohlfühlen, meint er.

Nun, so einfach ist dieses idyllische Stückerl oberes Mühlviertel gar nicht zu finden. Das Navi mag nicht wirklich die Zieladresse und Steckschilder, wie wir Großstädter es an jeder Hausecke gewohnt sind, gibt es kaum. Dennoch finden wir das Gasthaus Teufelmühle, das an einem wahrhaft romantischen Fleckchen direkt an der Großen Mühl liegt. Eigentlich würde ich jetzt gerne faul im Gastgarten direkt am Wasser neumodisch abchillen, aber Chef will wandern.

Nach einem kleinen Erfrischungsgetränk und einem netten Gespräch machen wir uns auf den Weg. Mal schauen, wie weit wir es heute bei der regnerischen Wetterlage schaffen, immerhin hat es schon die ganze Nacht geschüttet. Momentan ist es trocken und für den Regenfall hat uns die nette Dame ein paar Tipps zur Abkürzung der Runde gegeben.

Der Weg ist mit gelben Taferl gut ausgeschildert und die Route säumen Sagen und Mythen aus der Region, richtig nett zu lesen. Schon bald erreichen wir den Einlass ins Tal der Naturwesen, dem Zwergental, wo einst Wichtel und Zwerge gewohnt haben. Mich würde angesichts des nebligen und trüben Wetters gar nicht wundern, wenn wir zwischen den Bäumen eine rot blitzende Zipfelmütze sehen würden.

Das kleine "Warnschild" gibt uns Großstadtwanderern mit auf den Weg, nichts zu verlieren, denn Wichtel sind dafür bekannt, sich beim Einsammeln aller achtlos herumliegenden Materialien hervor zu tun. Zwerge und Wichtel sind den Menschen meist wohlgesonnen und lieben Musik und den Tanz. Na, dann schauen wir mal, was uns erwarten wird.

Wir haben den Wald verlassen und erreichen entlang der Straße den Unterkagererhof. Der im ursprünglichen Zustand erhaltene Hof aus dem 16. Jahrhundert wird als Freilichtmuseum geführt.

Das Wetter weiß wirklich nicht, Sonne von links oder Regen von rechts.

Nach dem Unterkagererhof geht es bergab, um danach gleich wieder anzusteigen. Wir kommen an den Gattersteinen, den einstigen Grenzzeichen zu unterschiedlichen Grenzen, vorbei. Ihre urkundliche Erwähnung geht bis ins Hochmittelalter zurück. Während wir deren Geschichte lesen, huscht ein Reh in unmittelbarer Nähe an uns vorbei.

Wir passieren Maria Rast. Nachdem es immer düsterer wird, verzichten wir auf den Abstecher zum Teufelsstein sowie der Georgskirche und umrunden lediglich den Hollerberg, wo es beim Hollerberggut wieder in den Wald geht.

In der Hütte des Einsiedlers steht ein Bett und er dürfte gerade auf Jagd sein. Einmal kurz abchillen wäre ein Hit, aber das Bett scheint viel zu kurz und das kühle Wetter ist auch nicht wirklich einladend. So lesen wir nur seine Geschichte und ziehen weiter bis zum einstigen Kohlenmeiler (Kohlstatt).

Als wir den Wald verlassen, erwischt uns der Regen am Güterweg Hehenberg. Sprühregen vom Feinsten, aber wir müssen weiter. Beim zweiten Bauernhof geht es vorbei an einem alten Ziehbrunnen und Hopfenplantagen.

Auberg gilt als "Wiege des Hopfenbau's" und ich sehe schon ein Glas kühlen Bieres vor mir stehen. Mit dieser Aussicht durchstreifen wir die nasse Wiese, passieren eine Weide, zum Glück heute ohne Kühe und erreichen die Ruine Schönberg, von der leider fast nichts mehr da ist. Auch die Aussicht auf die Große Mühl ist schon sehr verwachsen.

Nun geht es auf einem, für uns Großstadtwanderer, sehr schmal erscheinenden und relativ verwachsenen Pfad bergab Richtung Straße, um dann das letzte Stück entlang der Großen Mühl wieder zum Gasthaus Teufelmühle zu kommen, wo wir mit knusprigen Spareribs und ausgesprochen freundlich verwöhnt werden.

Gut gestärkt und wieder einiger Massen trocken treten wir den Heimweg zu unserem Quartier, dem Forellenwirt, an. Und ob ich als Hexe Ocativa nun auf meine Freunde, die Wichtel und Zwerge getroffen bin, behalte ich für mich. Aber glaube mir, es gibt entlang des Weges viele Überraschungen, viel zu Entdecken und zu Erleben. Und als Fotografin freue ich mich über das optimale, mystische Wetter, das genau zu dieser sagenhaften Runde passt.

Strecke: zwischen 10 und 12 km

Höhenmeter: 285

Start und Ziel: Gasthaus zur Teufelmühle

Unsere Dauer - inklusive Tierbeobachtungen, Fotopausen: ca. 3 ½ Stunden (für uns recht flott, sicher dem Wetter geschuldet)

Kleiner Tipp aus Sicht der Großstadtwanderer: Verpflegung mitnehmen, entlang der Route keine Einkehrmöglichkeit. Öffnungszeiten vom Unterkagererhof bei Interesse im Vorfeld abklären. Der Weg ist gut ausgeschildert, das Handy und sonstiger technischer Firlefanz kann Pause machen. Der Parkplatz bei der Teufelmühle ist nur für Gäste, eventuell vorher abklären, ob man auch stehen bleiben darf.

Wien, 01.08.2021

Transparenz

Fotos von Fotografin Renate, www.fotografinrenate.at. Text bei Renate Stigler. Keine bezahlte Werbeeinschaltung. Bei diesem Text handelt es sich um persönliche Erfahrungen, die eine werbende Wirkung haben könnten, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt oder bezahlt wurde! Weiters ist es eine Momentaufnahme am Tage unseres Besuches. Wir weisen darauf hin, dass wir keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit dieser Informationen sowie für gegebenenfalls daraus resultierenden Schaden übernehmen.

Achso, wenn du Rechtschreibfehler findest, dann kannst du es mir gerne sagen oder dir behalten. Ich mache mir dann einfach wieder welche.