Die Österreicherin, die Zubacka und ein alter Skoda

Wenn Chef Lok schaut und ich mit muss. Bis dann der Bus anrollt und den Tag ändert.

Korenov, Tschechische Republik

Märchensondertag auf der steilsten Bahnstrecke Tschechiens.

Insgeheim hoffe ich, dass sich die doch knapp 400 km Anreise nach Korenov im Isergebirge gelohnt hat. Zumindest ist es frühmorgens richtig angenehm kühl. Eine Wohltat in diesen heißen Sommertagen. Es ist Eisenbahnfest bei der einzigen Zahnradbahn Tschechiens. Und Chef muss natürlich dabei sein.

Gut, ich bin auch da. Und sehe gleich mal zu Beginn gar nicht, dass der Sonderzug vorne und hinten eine Lok hat.

Roter Zug mit gelbem Zierstreifen und blauen Wagen steht auf Gleisen vor dichtem Wald.
Aja, vorne die Österreicherin und hinten die blaue Diesellok

Aja, da hinten hängt tatsächlich noch eine blaue dran, während vorne eine rote Diesellok ist. Wow, zumindest erkenne ich mal, dass es keine Dampflok ist. Ich klopfe mir auf meine Bus-Schultern. Chef schaut mich mitleidig an, als würde er meinen "jetzt sind wir schon soviel bei Eisenbahnen, wie u.a. den ungarischen Waldbahnen, unterwegs, und du weißt noch immer nicht viel darüber?"

Wie auch? Und vorallem warum auch? Als Busunternehmerin und einstige Buslenkerin ist dort meine Heimat. Was dieser Ausflug hier ins nördliche Tschechien für mich noch bereithält, weiß ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.

Unser Sonderzug startet bald. Vorne zieht die rote Diesellok T 426.001 den Zug. Für uns Wiener gibt es dabei eine besondere Überraschung: Die Lok wurde in der Lokomotivfabrik Floridsdorf in Wien gebaut. Kein Wunder, dass sie hier als "Österreicherin" bekannt ist.

Die Fahrt nach Tanvald ist ein Erlebnis. Die alten Waggons, die offenen Fenster und nach einem Tunnel das plötzliche Rattern. Die Zubačka ist keine gewöhnliche Bahnstrecke. Wegen der starken Steigungen wurde hier eine Zahnstange eingebaut, die den Zügen hilft, die Höhenunterschiede zu bewältigen. Die Strecke gehört zu den besonderen Eisenbahnstrecken Tschechiens. Sowie auch der Isera Pazifik, den wir morgen sehen werden.

Langsam schlängelt sich der Zug durch die Landschaft. Wälder, Kurven und immer wieder schöne Ausblicke begleiten uns.

An einem Bahnhof mitten im Wald müssen wir den Gegenverkehr abwarten. Moderne Lokomotiven ziehen heute die Regelzüge, die bis nach Polen weiterfahren und benötigen keine Zahnstangen mehr.

Endlich geht es weiter nach Tanvald, wo Pause ist, ehe die Rückfahrt angetreten wird. Wir drehen eine Runde am relativ geschäftigen Bahnhof, wo die alte Zeit noch nachwirkt, wie hier beim Plansuchen.

Mann zeigt auf Fahrplan-Tabellen in einem Holzschaukasten, mehrere Papierrollen mit Zahlen und Diagrammen.
Wann fährt der nächste Zug?

Ein Rattern nähert sich am Bahnhofsplatz und mein Herz geht über.

Ein alter Škoda 706 RTO (gebaut zwischen 1958-1972) von ČSAD kurvt heran.

Blauer und weißer Oldtimer-Bus mit geöffneten Fenstern vor einem grünen Gebäude, Passagiere im Inneren.
Was kommt denn da?

Natürlich zieht mich dieser blau-weiß Oldie in seinen Bann und ich muss näher schauen. Er entpuppt sich als Shuttlebus nach Korenov. Meine Herzerlaugen und mein Dackelblick überzeugen auch meinen Eisenbahn-Chef. Und schon sitzen wir fast in erster Reihe.

Schalten mit der Hand, lenken ohne Servounterstützung, nur die Technik, die wirklich notwendig ist. Man hört den Motor arbeiten und spürt noch, dass hier jemand ein Fahrzeug bewegt.

Besonders auf der Bergstrecke zeigt der alte Škoda, was in ihm steckt. Er ist erstaunlich flott unterwegs, wendig und wirkt fast, als würde er die kurvige Strecke schon seit Jahrzehnten mit links bewältigen. Tja, siehst Chef, Busse brauchen keine Zahnräder.

Rostige Metallkonstruktion mit Aussparungen, im Vordergrund scharf, Hintergrund unscharfe Landschaft und Himmel.
Zahnstange

Der Weg führt überraschend sogar noch durch Harrachov. So erhalten wir eine kleine Rundfahrt durch die herrliche Landschaft.

Zurück am Bahnhof in Korenov bleibt Zeit für eine Pause, ein Getränk, ein Langos und einen Besuch im kleinen Eisenbahnmuseum. Während wir uns beim Fest stärken kommt der Sonderzug aus Hradec Kralove. Für mich groß und rot. Für Chef ein Traum. 

Schon bald wartet die nächste Zugfahrt auf uns. Mit dem Sonderzug, diesmal ist die "Österreicherin" vorerst hinten und die blaue Lok vorne, fahren wir weiter nach Harrachov.

Von dort gehen wir zu Fuß ins Zentrum. Rund vier Kilometer sind es gemütlich durch herrlichen Wald bergab. Wir strandeln zwischen Souvenirläden und unterschiedlicher Gastronomie durch die Hauptstraße. Sauheiß ist es, obwohl wir auf knapp 700 Meter sind. Den geplanten Besuch beim Mumlava-Wasserfall verschieben wir auf Montag.

Da der Bahnhof von Harrachov etwas außerhalb und oberhalb des Ortes liegt, nehmen wir für den Rückweg den Linienbus. Für ein paar Euro bringt er uns bequem wieder hinauf.

Und dann heißt es wieder: Einsteigen in die Zubačka. Mit der "Österreicherin" vorneweg geht es zurück nach Kořenov.

Unsere Hinweise und Entfernungsangaben beziehen sich auf unseren Besuch am Samstag, 25.07.2026. Bei Wanderungen und Ausflugszielen kann sich natürlich immer etwas ändern – wir erzählen hier einfach von unseren eigenen Erfahrungen.

Offizielle Informationen zur Zubacka:
https://www.zubacka.cz/index.php/de-pl-en/deutsch/671-sonderfahrten-mit-der-zahnradbahn 

Fotos: Fotografin Renate


Folge uns auf Facebook 

  • Erholsame Wanderungen
  • Traumhafte Ausflugsziele
  • Geschichtsträchtige Orte
  • Inspiration für neue Touren

Unsere allgemeinen Wandertipps

Fotos Fotografin Renate

Transparenz

Wandererlebnis und offene Fragen

👉 Entdecke auf unserer Seite weitere Wanderungen und Ausflugsideen in Österreich und angrenzenden Regionen und lass dich für deine nächste Auszeit inspirieren.