Fast 40 Grad auf Metternichts Spuren
Von trockenen Quellen, schattigen Waldwegen und einem unerwarteten Moment mit Meister Petz
Marienbad, Tschechische Republik
Eigentlich wollten wir heute Marienbad für einen unvergesslichen und spektakulären Ausflug verlassen. Aber der Blick aufs Thermometer treibt mir die Schweißperlen nicht nur ins Gesicht. Autofahren lassen wir bei der Hitze. Da bleiben wir lieber hier und wandeln auf Metternichs Spuren. Mal schauen, was Fürst Klemens Wenzel von Metternich, der österreichische Staatskanzler im 19. Jahrhundert hier erlebt hat.

Gleich hinter dem Hotel liegt der Kurpark. Zwischen den alten Bäumen und den gepflegten Anlagen spazieren wir hinaus zum Lunapark. Das historische Ausflugslokal war schon früher ein beliebter Treffpunkt für Kurgäste und Spaziergänger. Heute lädt hier ein gemütliches Café dazu ein, eine kleine Pause einzulegen und die besondere Atmosphäre dieses Ortes zu genießen.
Nach einem kühlen Pilsner drehen wir um und gehen zurück Richtung Alte Mühle. Von hier führt der eigentliche Metternichweg leicht bergauf zur Aussichtswarte Karola. Die Aussichtswarten rund um Mariánské Lázně entstanden im 19. Jahrhundert, als die Kurstadt ihre große Blütezeit erlebte. Spaziergänge in die Natur gehörten damals fest zum Kuraufenthalt – nicht nur wegen der frischen Luft, sondern natürlich auch wegen der schönen Ausblicke.
Dank der Orientierungstafel vor Ort können wir sehen, wie sich die Bäume einen Teil der Aussicht zurückgeholt haben. So ist es schon gestern am Hamelika auch schon gegangen. So schön, dass Natur hier an vielen Orten einfach Natur sein darf.

Vorbei am Friedhof führt uns der Weg weiter hinein in den Wald. Hier ist es angenehm ruhig und schattig – eine willkommene Abwechslung an diesem heißen Tag. Wobei "angenehm" langsam übertrieben ist. Es wird immer drückender und entgegen unserem normalen Wanderverhalten steuern wir heute fast jede Holzbank an. Man könnte sagen: Wir machen den Praxistest, ob der Holzwurm die Bank noch nicht aufgefressen hat …

An einer Abzweigung erreichen wir die Balbín-Quelle, die im Jahr 1853 bei der Torfgewinnung für Kurzwecke entdeckt wurde. Zumindest wäre sie eine Station gewesen, denn viel zu sehen gibt es heute nicht. Die monatelange Trockenheit hat ihre Spuren hinterlassen – die Quelle scheint versiegt. Oder der Schweiß im Gesicht blockiert unsere Sicht.
Im Wald steht ein Bär!
Bin ich erschrocken! Mein Herz rast. Teddybären liebe ich wirklich, echte Bären im Zoo auch, aber mitten im Wald? Meister Petz scheint ebenso erschrocken wie wir, denn er bewegt sich nicht. Lass mal kurz überlegen, wir kommen aus dem Riesengebirge, wo es eventuell Bären aus Polen hin verschlägt, sind nun an der Grenze zu Deutschland. Also was macht er da?
"Was ist?", mein Chef schiebt mich weiter, "ist doch nur eine Statue. Schau, wie süß der dasitzt!"

Nun gut. Hatte ich schon erwähnt, dass es mittlerweile fast 40 Grad hat und meine Sinne langsam auf Urlaub sind? Ich kann schließlich nichts dafür, wenn mir die Hitze kleine Streiche spielt.
Ein Stück weiter kommen wir zur Bärenquelle. Auch hier zeigt sich, wie trocken dieser Sommer ist. Statt kräftig aus dem Holzstamm zu sprudeln, tröpfelt es nur. Der Bach, der durch die Mineralien normalerweise rötlich gefärbt ist, wirkt an diesem Tag fast genauso erschöpft wie wir.

Als wir schließlich wieder im Zentrum auf Höhe des Kinos ankommen, freuen wir uns nur noch auf eines: ein kühles Getränk. Bei diesen Temperaturen ist die Pause mehr als verdient.
Danach lassen wir den Tag gemütlich ausklingen und schlendern noch ein wenig durch die Stadt. Dabei auch eine typische Spezialität nicht fehlen: eine frische Marienbader Oblate.
Die hauchdünnen Oblaten gehören seit dem 19. Jahrhundert zur Kurstadt und waren schon damals ein beliebter Genuss für die Kurgäste. Heute bekommt man sie stückweise und kann sie gleich beim Weitergehen genießen. Meine Wahl ist schnell getroffen: warm und Haselnuss muss es sein. Chef greift zur kalten Schokolade. Egal welche Sorte, hier schmecken sie einfach am frischesten. Und über die Brösel entlang des Weges freuen sich sicher die Spatzen.
Noch kurz zum Schluss ...
Die folgenden Angaben beruhen auf unseren persönlichen Eindrücken und Erfahrungen an unserem Besuchstag.
📅 Unser Besuch: Donnerstag, 30. Juli 2026
🥾 Offizielle Metternich-Route: je nach Variante ca. 4,5 km mit rund 90 Höhenmetern. https://www.marianskelazne.cz/de/ausflugstipps/metternich-route/
🚶 Unsere Tour: Durch den Spaziergang vom Zentrum über den Kurpark, den Abstecher zum Lunapark, den Metternichweg und das gemütliche Bummeln durch Marienbad kamen wir am Ende auf rund 11 Kilometer.
🥾 Schwierigkeit: Leicht
🏨 Start und Ziel: Mariánské Lázně
💡 Gut zu wissen:
Wir erzählen hier von unserem persönlichen Besuch. Wege, Beschilderungen,
Einkehrmöglichkeiten oder Öffnungszeiten können sich jederzeit ändern.
Informiert euch deshalb bitte vor eurem Ausflug noch einmal über den aktuellen
Stand.
📷 Fotos und Text: Renate
Das könnte dich auch interessieren
- 2. Wanderung in Marienbad
- weitere Ideen in der Tschechischen Republik
Folge uns auf Facebook
- Erholsame Wanderungen
- Traumhafte Ausflugsziele
- Geschichtsträchtige Orte
- Inspiration für neue Touren
👉 Entdecke auf unserer Seite weitere Wanderungen und Ausflugsideen in Österreich und angrenzenden Regionen und lass dich für deine nächste Auszeit inspirieren.
