Mit der Matrabahn durch Geschichte und Natur

Gyöngyös, Ungarn

Nach unserer gestrigen Fahrt mit der Waldbahn in Lillafüred geht es heute mit der Mátrabahn tief ins Mátragebirge. Das Mátragebirge ist das höchste Gebirge Ungarns und liegt im Norden des Landes zwischen Gyöngyös und Eger. Es ist vor mehreren Millionen Jahren durch vulkanische Aktivität entstanden, weshalb viele seiner Berge aus vulkanischem Gestein bestehen. Der höchste Gipfel ist der Kékes mit 1014 Metern und zugleich der höchste Punkt Ungarns.

Schon früh wird die Region vom Menschen genutzt, vor allem für Forstwirtschaft, Bergbau und später auch für den Weinbau in den Randgebieten. Durch die dichten Wälder und die lange Zeit abgelegene Lage bleiben viele Teile des Gebirges jedoch über Jahrhunderte hinweg nur wenig erschlossen.

Unser Ausflug beginnt am Bahnhof in Gyöngyös. Die Mátrabahn gehört zu den ältesten Waldbahnen Ungarns und entstand Anfang des 20. Jahrhunderts aus rein wirtschaftlichen Gründen. Ab 1906 werden erste Strecken gebaut, um Holz aus den dichten Wäldern der Mátra sowie Stein und landwirtschaftliche Güter ins Tal zu transportieren. Damals sind viele Bergdörfer nur schwer erreichbar, da Straßen kaum ausgebaut sind. Erst später entwickelt sich die Strecke auch zu einer touristischen Attraktion.

Die Mátrabahn hat zwei Strecken, weil sie ursprünglich nicht als Touristenbahn, sondern als forstwirtschaftliches Transportnetz gebaut wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden verschiedene Teile der Mátra erschlossen, um Holz aus unterschiedlichen Waldgebieten effizient ins Tal nach Gyöngyös zu bringen.

Statt nur einer Linie entstanden deshalb zwei wichtige Streckenäste, die jeweils unterschiedliche Regionen des Gebirges bedienen: eine Richtung Szalajkaház in die tieferen Waldgebiete und eine Richtung Mátrafüred in ein höher gelegenes, später touristisch geprägtes Gebiet.

Heute sind beide Strecken erhalten geblieben und werden als Ausflugsbahnen genutzt, die zwei verschiedene Seiten der Mátra zeigen.

Zunächst fahren wir mit der Bahn in Richtung Szalajkaház. Langsam verlässt der Zug Gyöngyös und bewegt sich in die ruhige Berglandschaft. Der Wechsel von Stadt zu Natur ist deutlich spürbar: Häuser verschwinden, stattdessen begleiten uns Wälder, Lichtungen und die typische Landschaft der Mátra. Die Fahrt verläuft gemächlich, sodass wir die Umgebung bewusst wahrnehmen können.

Szalajkaház liegt tief im Wald und dient früher als wichtiger Standort für die Forstwirtschaft. Hier wird besonders deutlich, welchen Zweck die Bahn ursprünglich erfüllt: Wo heute Wanderwege verlaufen, wurde damals Holz verladen und abtransportiert. 

Nach einem kurzen Aufenthalt fahren wir wieder zurück nach Gyöngyös, wo wir eine Pause und die traditionsreiche Stadt am Fuß des Mátra-Gebirges, oft als "Tor zur Mátra" bezeichnet, erkunden. Sie entstand im Mittelalter als wichtiger Handels- und Marktplatz und entwickelt sich durch ihre Lage zwischen Tiefebene und Bergen schnell zu einem regionalen Zentrum, besonders für Weinbau und Handel.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehört das Mátra Museum, das Natur und Tierwelt des Gebirges zeigt und direkt an der Mátrabahn liegt. Ebenfalls bedeutend ist die St. Bartholomäus Kirche am Hauptplatz, eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Stadt, sowie das Orczy-Schloss, das heute kulturell genutzt wird. Der zentrale Platz der Stadt und die historischen Straßenzüge geben Gyöngyös zusätzlich ein klassisches Kleinstadtbild mit viel Geschichte.

Danach wechseln wir auf die Strecke nach Mátrafüred. Dieser Ort entwickelt sich bereits im 19. Jahrhundert zu einem beliebten Luftkurort. Besucher aus den Städten kamen hierher, um die frische Bergluft zu genießen und Erholung zu finden. Später trug die Mátrabahn entscheidend dazu bei, Mátrafüred besser erreichbar zu machen und den Tourismus weiter zu fördern.

Nach der Ankunft in Mátrafüred machen wir uns auf den Weg zum Kozmáry-kilátó, einem historischen Aussichtsturm auf dem Dobogó-Hügel. Der Weg führt uns durch den Wald leicht bergauf. Der Turm entstan um 1900 und wurde nach János Kozmáry benannt, der die Entwicklung Mátrafüreds als Kurort stark unterstützte. Mit seiner massiven Steinbauweise wirkt er fast wie ein kleiner Burgturm und zählt zu den bekanntesten Aussichtspunkten der Region.

Oben angekommen genießen wir einen weiten Blick über die Wälder der Mátra bis hinunter nach Gyöngyös. 

Am Ende bringt uns die Mátrabahn wieder gemütlich zurück nach Gyöngyös. Besonders bleibt der Eindruck, wie eng hier Natur und Geschichte verbunden sind: Was einst eine reine Arbeitsbahn für Holztransport war, ist heute eine entschleunigte Reise durch eine Landschaft, die ihren ursprünglichen Charakter bis heute bewahrt hat.

Die Mátrabahn (Mátravasút) startet in Gyöngyös, am südlichen Rand des Mátragebirges. Der Ausgangspunkt liegt gut erreichbar nahe dem Stadtzentrum und ist sowohl mit dem Auto als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln einfach zu finden.

🚗 Anfahrt

3200 Gyöngyös, Dobó István utca 1. (Mátra Múzeum mellett)

Die Station liegt direkt im Stadtbereich von Gyöngyös, nur wenige Gehminuten vom Mátra Múzeum und dem Orczy-Kastély entfernt und ist nicht unbedingt ausgeschildert. Das Navi führt jedoch punktgenau zum Bahnhof.

Leider spricht bei unserem Besuch vor Ort niemand Deutsch oder Englisch. Dank Hilfe von Einheimischen kommen wir aber recht gut zurecht. Rest übersetzt Google. Fahrpläne sind überall ausgehängt, die man gut abfotografieren und übersetzen kann.

🅿️ Parkmöglichkeiten

Direkt beim Startbahnhof der Mátrabahn gibt es mehrere ausgeschilderte Parkplätze in der Umgebung des Mátra Múzeums und entlang der Zufahrtsstraßen. Diese werden vor allem an Wochenenden gut genutzt, daher empfiehlt sich bei gutem Wetter eine frühe Anreise. Weitere Parkmöglichkeiten befinden sich im Stadtgebiet von Gyöngyös, ebenfalls in Gehweite zur Bahn.

Unser Ausflugstag: Sonntag, 24.05.2026


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Fotos Fotografin Renate

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