9 Monate, in denen normalerweise neues Leben entsteht

16.09.2020

Noch fühle ich mich zwischen Glückseligkeit, Trauer, Wut und Besorgnis hin- und hergerissen. Was soll ich als Busunternehmerin in Wien von der fast menschenleeren Stadt halten? Wie soll ich damit umgehen, dass plötzlich die Schlagworte "Overtourism", "Menschenmassen" und "Wien gehört nicht mehr den Wienern" eine ganz andere Bedeutung bekommen haben?

"Nach 9 Monaten darf ich wieder eine Gruppe Touristen führen", raunt die staatlich geprüfte Fremdenführerin ins Busmikrofon, "im Winter war ohnehin nichts zu tun und dann kam Corona...."

Was soll ich sagen? Ich sitze in meiner zweiten Berufsherausforderung als Reise- und Pressefotografin in den hinteren Busreihen. Platz haben wir genug. 58 Sitzplätze zählt unser größtes Flaggschiff der Busflotte. Darin tummeln sich gerade mal 13 Gäste. Wiener und Wienerinnen, die die Zeit nützen, ihre Stadt aus den Augen der Touristen zu erkunden.

Nicht gerade das Geschäft für uns, im Tourismus arbeitenden Personen, dennoch ein kleiner Hoffnungsschimmer auf die zurückkommende Normalität. Auch wenn diese unter den Mundschutzmasken zu ersticken scheint.

Eine Dame schiebt sich andauernd den Stofffetzen aus ihrem Gesichtsbereich, um durch die Busscheiben einen Blick auf die, sonst mit Menschen überlaufenen, Sehenswürdigkeiten zu erhaschen.

Die Stadtführerin ist sichtlich angespannt. Ebenso unser Busfahrer. Sind die alt eingetretenen Wege noch dieselben, als vor Beginn des Lockdowns im März 2020? Oder gibt es neue Busfahrtverbote, Umleitungen und Baustellen? Sowie neue Gebäude. Die Stadtführerin spricht leise und bedächtig. Heute ist ein guter Tag in Wien. Der Verkehr ist schwach. Und als einziger Reisebus am Ring hupt uns nicht einmal jemand an, dass wir ihm zu langsam auf der rechten Spur unterwegs sind. Es kann nicht passender sein, als beim Hotel Bristol eine Straßenbahn mit der Aufschrift "Wieder Freude" steht.

Ich erinnere mich an meine Zeit am Lenkrad, damals, als ich Runde um Runde durch Wien mit Touristen aus aller Herrenländer gezogen bin. Damals, als die wenigen Buszonen in Wien heillos überlastet sind. Damals, als wir nicht mal in Ruhe unsere Fahrgäste ein- und aussteigen lassen durften.

Mittlerweile stehen wir eine geraume Zeit schon vor Maria Theresia, die inmitten der beiden Museen sitzt. Zur rechten das Naturhistorische und zur linken das Kunsthistorische Museum.

Unsere kleine Gästeschar ist mittlerweile guter Laune. Trotz der Masken im Gesicht. Die Stadtführerin erzählt und erzählt. Die gesamte Geschichte Wiens sprudelt aus ihr heraus. Und niemand kommt und sagt, wir dürfen hier nicht länger halten. Kein Sicherheitsdienst zwingt uns zur Abfahrt. Sie steht zwischen der leeren ersten Reihe und strahlt über ihre Maske die Gäste an. Mittlerweile ist sie von der Geschichte abgekommen und erzählt lustige Anekdoten aus der guten, alten Zeit.

Tja, die gute, alte Zeit liegt genau 9 Monate hinter uns. 9 Monate, in denen normalerweise neues Leben entsteht.

Alle haben wir Zeit. Mein Busfahrer ist völlig entspannt, die Gäste sowieso und die Stadtführerin freut sich endlich wieder reden zu dürfen. Über Wien. Über die Geschichte. Über wichtige Persönlichkeiten. Über kleine und große Geheimnisse der Stadt. Niemand hat Zeitdruck.

Nach einer gefühlten Ewigkeit setzen wir unsere Reise fort, kommen am menschenleeren Rathausplatz vorbei. Selbst ich als geborene Wiener kann mich nicht an einen solch freien Blick auf das Rathaus erinnern. Wird der Platz doch andauernd für Feste, Veranstaltungen und Messen verwendet.

Der Ring wirkt wie ausgestorben, während unser tonnenschwerer Bus weiter langsam über die rechte Spur zuckelt. Am Kai ist schon etwas mehr Verkehr, kein Wunder wir haben wieder mal eine Baustelle. Weiter geht über die verengte Praterstraße, eine Fahrspur wurde zum Radweg. Über die Reichsbrücke mit Blick auf die Uno-City und Donauplatte, vorbei an der kleinen russischen Kirche, dem Arbeiterstrandbad bis zum Donauturm am Rande des Donauparks.

Hier hat unsere elustre Gästeschar Plätze im Donaucafé reserviert. Eine Pause, ein kulinarischer Stopp sozusagen. Nach der Stärkung nehmen einige Gäste die Gelegenheit wahr und fahren mit dem Lift auf Donauturm. Ein Blick auf die eigene Heimatstadt. Für viele ein sehr seltenes Erlebnis. Andere fahren eine Runde mit der Donauparkbahn. Erinnerungen an die Kindheit auffrischen.

Nach der Pause geht es am schnellsten Weg wieder an den Ausgangspunkt.

Danke für diesen wunderbaren Moment, meine lieben Kunden. Es muss nicht immer die weite Welt sein. Nutzen wir doch die eigenartige Corona-Zeit zum Erkunden der nahen Umgebung. Busse und staatlich geprüfte Stadtführer (zu unterschiedlichen Themen, auf Wunsch auch für Fußtouren sowie in unterschiedlichen Sprachen) bei CÄSAR.

Du willst noch mehr Ausflugsziele erkunden - dann schau doch gleich bei uns nach und hole dir weitere Anregungen. Und es kommen laufend neue Ideen dazu.

Transparenz

Fotos von Fotografin Renate, www.fotografinrenate.at. Text bei Renate Stigler. Keine bezahlte Werbeeinschaltung. Bei diesem Text handelt es sich um persönliche Erfahrungen, die eine werbende Wirkung haben könnten, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt oder bezahlt wurde!

Gerne stehe ich aber für bezahlte Aufträge zur Verfügung. Infos bei mir. Einschaltung ebenso möglich auf www.bustiger.at 

Achso, wenn du Rechtschreibfehler findest, dann kannst du es mir gerne sagen oder dir behalten. Ich mache mir dann einfach wieder welche.